• Ahlhorn - Als Nick Trinemeier den ersten Matchball verwandelt und die deutsche Faustball-Nationalmannschaft damit erneut zum Europameister gekürt hatte, konnte die Party beginnen. Mittendrin: Tim Albrecht. Der Zuspieler des Ahlhorner SV genoss die Siegesfeier im baden-württembergischen Adelmannsfelden in vollen Zügen. Schließlich musste er sich schon wenige Stunden später gemeinsam mit seinen Eltern auf die Heimreise in die Gemeinde Großenkneten begeben – die anstehenden Abschlussprüfungen zum Physiotherapeuten ließen ihm keine andere Wahl.
    „Nach der Siegerehrung mussten wir erstmal Autogramme geben, dann kam das Bier. Wir haben viel Blödsinn mit den Holländern gemacht, Trikots getauscht und viel Spaß gehabt – aber die Kabine ist heil geblieben“, berichtete Albrecht augenzwinkernd.

    Titelverteidiger Deutschland war seiner Favoritenrolle von Anfang an gerecht geworden. Zum Turnierauftakt besiegte die Crew von Bundestrainer Olaf Neuenfeld mit Tim Albrecht auf der Mittelposition das Team aus Italien mit 2:0 (11:6, 11:5). Beim folgenden 2:1 (11:8, 12:14, 11:3) über Österreich stand Albrecht in den ersten beiden Sätzen auf dem nun regengetränkten Grün. Beim Stand von 11:10 im zweiten Durchgang hätte er sogar das Spiel entscheiden können, doch sein Angriffsschlag geriet zu schwach. „Das war meine Chance, aber ich war drei, vier Meter von der Leine weg – da konnte ich nicht so viel ausrichten“, verteidigte sich der Ahlhorner. Durch das überraschend deutliche 2:0 (11:5, 11:3) über die Schweiz sicherte sich Deutschland anschließend den ersten Platz in der Vorrundengruppe A. Albrecht erhielt im zweiten Abschnitt Spielpraxis.

    Im Viertelfinale gegen die Faustball-Neulinge aus Serbien gehörte Albrecht dann wieder zur Startformation. Beim klaren 3:0 (11:5, 11:4, 11:6) spielte die deutsche Auswahl mit angezogener Handbremse. „Im Sinne des Fairplay hatte uns Olaf Neuenfeld die Vorgabe gemacht, den Gegner mitspielen zu lassen“, erläuterte Albrecht. Auf dem Weg zum erneuten Titelgewinn konnte auch Italien im Halbfinale den deutschen Express nicht stoppen. Angeführt vom glänzend aufgelegten Ausnahmeangreifer Patrick Thomas gab es ein glattes 3:0 (11:3, 11:9, 11:4). Albrecht wurde zum dritten Satz eingewechselt.

    Im Endspiel schafften es die Schweizer auch im sechsten Versuch in Folge nicht, bei einem großen internationalen Turnier im Finale gegen Deutschland zu gewinnen. Mehr noch: Die Eidgenossen erhielten beim 0:4 (8:11, 4:11, 6:11, 7:11) eine richtige Packung. „Leider durfte ich nicht spielen“, bedauerte Albrecht. „Aber Olaf hat sich anschließend bei allen entschuldigt, weil er verpennt hatte, zu wechseln. Ich habe fünf von sechs Spielen gemacht – damit bin ich zufrieden.“

    Für Albrecht war es nach 2016 bereits der zweite EM-Triumph. Zudem holte der 25-Jährige mit Team Deutschland 2013 und 2017 Gold bei den World Games. Fehlt nur noch der Weltmeistertitel in seiner Sammlung. Die nächste WM steigt im kommenden Jahr vom 11. bis zum 18. August im schweizerischen Winterthur. „Und ich werde alles tun, um dabei zu sein“, kündigte Albrecht an.

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